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Vorderwand einer Frontstollentruhe
  • Vorderwand einer Frontstollentruhe
  • Truhenvorderwand
  • um 1380
  • Entstehungsort stilistisch: Niedersachsen
  • Eichenholz, gespalten, geschnitzt und gepunzt; Reste von Farbfassung
  • Höhe x Breite: 92 x 163 cm
  • Ident.Nr. 1884,1688
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Stephan Klonk
Beschreibung
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Die Truhenfront ist das prächtige Fragment eines über 600 Jahre alten Kastenmöbels. Als romanisch anmutende Stollentruhe – ein Typus der Ende des 12. Jahrhunderts aufkam – war sie aus vier breiten senkrechten Eckstollen und waagerecht dazwischen gesetzten mächtigen Brettern gefügt und von einem Deckel mit außen aufgesetztem Schloss versperrt. Dabei sind die Bohlen mit der Axt aus dem Stamm gespalten und nicht gesägt, die einzelnen Teile in Nuten zusammengesteckt und nicht gezinkt – insgesamt das Zeugnis einer archaisch anmutenden Möbelkultur. Die dünnen Seitenwände waren nach oben einwärts geneigt und außen mit einem Gitter von waagerecht und senkrecht aufgelegten Riegeln verziert, der Deckel wohl flach gewölbt, die Stollen unten länger und die Truhe also einiges höher.
Bei der „Biestertruhe“ ist die Front mit Medaillons von heraldischen Tierbildern und Fabelwesen bedeckt. Ungeachtet der Konstruktion liegen zwanzig Rondos in drei Reihen übereinander, ohne die architektonische Gliederung späterer, mit gotischen Wimpergen und Maßwerkarchitekturen kombinierter Exemplare. Darunter kauerten zwei Drachen – ihre Leiber in den Zwickeln fehlen, allein die Schweife laufen in Ranken aus. Die Medaillons orientieren sich an romanischen Mustern, wie sie durch orientalische und byzantinische Seidenstoffe und Elfenbeinkasten bekannt waren und in den Norden auch durch norditalienische Steinmetze überliefert wurden.
Das mehr durch Ausstechen des Grundes als durch Modellierung gebildete Relief der Medaillons ist durch Punzierungen geschmückt und trägt Reste von Farbigkeit. Das Eichenholz zeigt ganz ungleiche Spuren des Alters: der Kontakt mit dem Fußboden, die Konstruktion, die ursprüngliche Lage der Bohlen im Baumstamm und der jahrhundertelange Gebrauch – sie alle tragen zur unterschiedlichen Erhaltung bei. ASt


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