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Studie zum Fresko "Pergola" in der Zoologischen Station in Neapel
  • Studie zum Fresko "Pergola" in der Zoologischen Station in Neapel
  • Bild & Studie
  • Hans von Marées (24.12.1837 - 5.6.1887), Maler
  • 1873
  • Öl auf Leinwand
  • 76,5 x 67,5 cm
  • Ident.Nr. NG 1/09
  • 2009 Ankauf aus englischem Privatbesitz
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
»Diese fünf schweigenden Menschen an dem Tisch verblüffen, auch das Mädchen auf der Treppe […] Und auch die Mauer, das Haus mit den Bögen, durch die man in den Himmel schaut. […] Sie sind unter sich, und ohne dass sie es aussprechen, wünschen sie, unter sich zu bleiben. Es wäre auch schwierig, zu ihnen zu dringen. Der Winkel neben der Treppe schützt sie. Er ist eine Welt für sich. Die hohen Wände gebieten Schweigen« (J. Meier-Graefe, Hans von Marées, Bd. 1, München 1910, S. 269–271).
Gleich zweimal, fast unverändert, hat Marées diesen Entwurf für die Fresken an der Ostwand der Bibliothek in der Zoologischen Station in Neapel ausgeführt (Variante im Von der Heydt-Museum, Wuppertal). Mit der Komposition »Pergola« brachte er die Freunde, die kleine Gruppe der am Aufbau der Station tätigen Wissenschaftler und Künstler, in diese ansonsten zeitlose, der Idee des Goldenen Zeitalters verbundene Bildwelt ein: links die beiden Zoologen Anton Dohrn (1840–1909) und Nikolaus Kleinenberg (1842–1897), in der Mitte der vielfältige Funktionen wahrnehmende schottische Dichter Charles Grant (1841–1889), auf der rechten Seite die beiden mit der Ausgestaltung des Festsaales betrauten Künstler Marées und Hildebrand (1847–1921). Ort der Zusammenkunft ist eine Taverne im unvollendet gebliebenen Palazzo Donn’Anna am Golf von Neapel, zu der die Freunde des Abends gern mit dem Boot hinüberfuhren. Diese ihm besonders wichtige Komposition hat Marées zudem mit großen Einzelstudien der Dargestellten vorbereitet (vgl. ebd., Bd. 2, 1909, S. 196–199). Das schöpferische und freundschaftliche Miteinander in diesen Monaten der gemeinsamen Arbeit für ein kühnes Projekt hat er sehr genossen. Gleiches sollte ihm in seinem Leben nicht wieder begegnen. Die Studie wie das ausgeführte Fresko aber zeigen kein lebhaftes Miteinander, bestenfalls abendliche Erschöpfung, wie von Meier-Graefe in seiner Marées-Publikation prägnant beschrieben (vgl. ebd., Bd. 1, 1910, S. 243–282). Das gegenüberliegende Fresko auf der westlichen Wand der Bibliothek stellt den Aufbruch der Fischer dar. Ragen dort hohe Felsen auf, so hinter dieser Gruppe von Intellektuellen die schützenden Mauern eines historischen Bauwerkes. Der selbstverständlichen, gemeinsamen Tätigkeit der Fischer dort entspricht hier ein handlungsloses Beieinander. Der Eindruck von Vereinzelung und Ernst könnte an der Erkenntnis liegen, nicht wirklich zu dieser idealisierten Welt voller Natürlichkeit, Heiterkeit und Selbstverständlichkeit zu gehören. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Hans von Marées. Sehnsucht nach Gemeinschaft, Berlin, Alte Nationalgalerie, Okt. 2008 - Jan. 2009

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Hans von Marées. Sehnsucht nach Gemeinschaft, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin, Oktober 2008-Januar 2009, S. 52, Farbabb. S. 53 [Zustand vor der Restaurierung]; vgl. Kat.-Nr. 24, Farbtaf. S. 85
– Degenhart 1958: Bernhard Degenhart, Hans von Marées. Die Fresken in Neapel, München 1958, vgl. Farbtaf. 13
– Wesenberg/Verwiebe/Freyberger 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 556 mit Abb.
– WVZ Laxner-Gerlach 1980: Uta Laxner-Gerlach, Hans von Marées. Katalog seiner Gemälde, München: Prestel, 1980, vgl. S. 138, Kat.-Nr. 120/III/1 a mit Abb.
– WVZ Meier-Graefe 1909/10: Julius Meier-Graefe, Hans von Marées. Sein Leben und sein Werk, 3 Bde., München und Leipzig, Piper, 1909/10, vgl. Bd. II, S. 194, Kat.-Nr. 217 und Taf. S. 195


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