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  • Keulenkopf aus Stein
  • Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939), Sammler
  • 100 v.Chr. - 700 n.Chr.
  • Costa Rica
    Cartago (Provinz)
    Cartago (Stadt)
  • Stein
  • Objektmaß: 4 x 9 x 9,1 cm
  • Ident.Nr. IV Ca 41716
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Amerika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andrea Blumtritt
Beschreibung
Kleiner, ringförmiger Stabkopf mit einem vertikalen, konischen Schaft. Die Außenseite des Steinobjekts ist konvex gewölbt. Seine mittelständigen Bereiche werden durch ein avimorphes Kopfprotomen, zwei gegenständige Flügel und eine breit gefächerte Schwanzfeder verziert. Die Oberfläche der gut erhaltenen Steinarbeit ist geglättet.

Das inventarisierte Objekt stellt ein vogelähnliches Wesen dar, das zwei eingetiefte Augenhöhlen besitzt. Seine Flügel und Schwanzfedern werden durch parallele Furchen verziert. Der glatte, vertikale Schaft diente wahrscheinlich zur Aufnahme eines langen, hölzernen Stabes. Soziale Funktion: die unterschiedliche Materialbeschaffenheit und Verzierung der dokumentierten Stabköpfe legen einen differenzierten Gebrauch der Objekte nahe (Balser 1966). Ihre Härte und ihr Gewicht scheinen für eine kriegerische Nutzung als Keulenköpfe (Mason 1945: 216; Peralta und Alfaro 1893: 53; Stone 1968: 28) zu sprechen. Die Oberflächen der meisten Objekte zeigen jedoch weder Schlagbereiche noch -spuren (Chaves Chaves und Fontana Coto 1993: 70). Moderne Publikationen (Hartman 1907: 53; Snarskis et al. 2001: 172) gehen daher von einer rituellen Verwendung der Fundgattung aus. Sie korrespondierte vielleicht mit den plastisch verzierten Knäufen der Amtsstäbe (Stone 1977: 210, Fig. 285) des Fundorts Retes (Zentrales Hochland), die aufgrund historisch-ethnographischer Analogien als Rang- oder Statusanzeiger verstanden werden. Mason (1945) erwähnt kleine Stabköpfe, die als Anhänger dienten. Symbolische Bedeutung: die meisten Stabköpfe verkörpern zoomorphe Themen, die auf das Haupt des dargestellten Wesens verkürzt wurden. Ihr Bildinventar umfaßt Fledermäuse, Eulen, Raubvögel, Fische, Echsen, Schildkröten und Affen. Sie werden von Snarskis (1981: 185) als Anzeiger sozialer Afiliationen interpretiert, die sich auf die Abstammung, Verwandtschaft oder Lokalgruppe des Besitzers beziehen können. Chaves Chaves und Fontana Coto (1993: 72) sprechen Objekten, die ausschließlich mit Noppen oder Rippen verziert wurden, einen phytomorphen Charakter zu. Anthropomorphe Formen stellen häufig Schädelmotive dar, die nach Snarskis (1981: 185) auf prähistorische Trophäenkulte hinweisen.

Kulturelle Bedeutung: Stabköpfe sind aus dem südlichen Bereich der Region Gran Nicoya, dem Zentralen Hochland und der Atlantischen Abdachung bekannt. Sie bilden im Nordwesten von Costa Rica einen diagnostischen Fundkomplex, der außerdem verzierte Grünsteine und dreibeinige Reibtische einschließt. Der Komplex tritt zwischen 500-1d.C. in Elitenbestattungen auf. Die Stabköpfe, die aus der Atlantik- und Hochlandregion stammen, zeigen im Vergleich zu ihren mesoamerikanischen Vorbildern kaum formale Variationen. Ihre stilistische Ähnlichkeit scheint auf wenige Herstellungszentren und gut organisierte Handelsnetze hinzuweisen (Snarskis 1981: 186). Hartman (1907) verbindet den Niedergang des Stabkopf-Grünstein-Reibtisch-Komplexes mit dem Zusammenbruch von Teotihuacan (um 650d.C.) und der Einwanderung chibchasprachiger Bevölkerungen aus dem nördlichen Südamerika.
(Künne 2005)


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