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  • Tonfigur
  • Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939), Sammler
  • Policromo Medio (800 - 1350)
  • Costa Rica
    Guanacaste (Provinz)
    Bagaces (Kanton)
    Liberia (Stadt)
    La Fortuna (Ort)
  • Ton
  • Objektmaß: 13,2 x 9,4 x 7,1 cm
  • Ident.Nr. IV Ca 41601
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Amerika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andrea Blumtritt
Beschreibung
Kleine sitzende, anthropomorphe Figur mit gespreizten Beinen. Die hohle, weibliche Gestalt besitzt zwei massive Arme, die sie in die Hüften stemmt. Sie trägte eine Kappe, ein Stirnband und Ohrschmuck. Am Hinterkopf und und am Boden der Skulptur befinden sich zwei große runde Öffnungen. Zur Herstellung des Objekts wurden Model benutzt. Die Außenseite der Keramik ist geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind fast vollständig erodiert.

Die Skulptur wurde zweifach grundiert. Sie zeigt eine weiß-gelbliche Deckfarbe, die sich auf rötlichem Grund befindet. Die Keramik wurde rot-orange und schwarz bemalt. Die abgeflachte Kopfform deutet eine Schädeldeformation an. Ferrero (1975) und Healy (1980) weisen auf sitzende und stehende anthropomorphe Figuren hin, die einen offenen oder geschlossenen Kopfschmuck tragen können. Symbolische Bedeutung: das Objekt stellt nach Bonilla et al. (1987) eine schwangere Frau dar. Stevenson-Day (1997) interpretiert die weiblichen Skulpturen der Gruppe Papagayo Policromo als Schamanen. Das Objekt gehört nach Bransford (1881) zur Sta. Helena ware. Lothrop (1926) diskutiert dieselbe Gruppe unter der Nicoya polychrome ware.

Kulturelle Bedeutung: der Typ Papagayo Policromo steht in der Region Gran Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß. Die Variante ist sowohl aus Bestattungen als auch aus Siedlungskontexten bekannt. Sie tritt in der Region Rivas bereits in der ersten Hälfte des Policromo Medio (1000-800d.C.) auf. In Guanacaste zeigt die Gruppe dagegen die zweite Hälfte des Policromo Medio (1350-1000d.C.) an. Ihre Keramiken dienten als überregionale Handelsware, die bis ins zentrale Mesoamerika gelangte. Die anthropomorphen Skulpturen der Papagayo-Gruppe besitzen einen größeren darstellerischen Realismus als die zeitgleichen Figuren der Mora-Gruppe.
(Künne 2004)


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