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  • Tonschale
  • Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939), Sammler
  • Policromo Medio (800 - 1350)
  • Nicaragua
    Zapatera (Insel)
    Fundort: Guabillo
  • Ton
  • Objektmaß: 7,8 x 18 x 18 cm
    Wandstärke: 0,8 cm (am Rand)
  • Ident.Nr. IV Ca 41080
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Amerika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Ines Seibt
Beschreibung
Schwere Schale mit abgeflachtem Boden und hohlem Standfuß. Das Objekt besitzt einen tiefständigen Umbruch und eine stark ausziehende Wandung. Es wurde beidseitig geglättet, geschlämmt, grundiert, bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind partiell erodiert. Am Rand und am Standfuß befinden sich mehrere Bruchstellen.

Die Keramik besitzt eine weiß-gelbliche Grundfarbe, die rot, orange und schwarz-braun bemalt wurde. Am äußeren Rand befindet sich ein umlaufendes, schwarz-braunes Band. An der Wand erscheint ein umlaufender Fries mit mehreren Panelen, die durch vertikale Linien voneinander getrennt werden. Das erhaltene Bildfeld zeigt ein rotes, liegendes, bimorphes Wesen, das eine lange Nase (Rüssel?) besitzt. Der Standfuß besitzt einen umlaufenden Fries, der zwei ineinander verschlungene Wellenbänder (Guilloche-Motiv) zeigt. Der Objektbestandteil wird durch mehrere kreisförmige Perforationen verziert. Auf der Innenseite der Wand befindet sich ein umlaufender Fries, der in vier Bildfelder gegliedert ist. Die gegenständigen Sektoren besitzen die gleichen Motive. Eine Darstellung zeigt ein ineinander verschlungenes Wellenband, das drei Schlaufen bildet (Guilloche-Motiv). Das zweite Motiv stellt ein liegendes, zoomorphes Wesen dar, das sein Maul weit aufreißt. Es streckt eine lange Zunge heraus und erhebt seinen Schwanz. Im Fond der Schale erscheint eine stark erodierte, schwarz-braune und rote Bemalung. Symbolische Bedeutung: die Ikonographie der Schale spielt auf das Mann-Jaguar Thema an. Lothrop (1926) interpretiert die Verzierungen der Schalenaußenwand als human face- und human figure-motive. Die innen liegenden Motive verkörpern nach ihm Jaguardarstellungen und zwei ineinander verschlungene Schlangenleiber (Guilloche-Motiv).

Kulturelle Bedeutung: die Objekte der Gruppe Papagayo Policromo stehen in der Region Gran Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß. Er manifestiert sich unter anderem in der Verdrängung von Echsen- und Fledermausthemen durch Raubkatzen- und Schlangendarstellungen. Die Variante gilt als diagnostischer Anzeiger für die erste Hälfte des Policromo Medio (1350-800d.C.). Ihre Keramiken dienten als überregionale Handelsware. Das Objekt stammt aus einem Gräberfeld, das aus etwa 30 Tumuli besteht.
(Künne 2004)


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