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  • Steinrelief
  • Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939), Sammler
  • 250 - 650
  • Mexiko
    Fundort: Teotihuacan
    Teotihuacan (Kultur)
  • Stein
  • Objektmaß: 9 x 34 x 33 cm
    Objektmaß: Ständerung 17 x 18 x 21,5 cm
  • Ident.Nr. IV Ca 38500
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Amerika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Claudia Obrocki
Description
Unter den Objekten, die der deutsche Altamerikanist Walter Lehmann auf seinen mehrjährigen Sammlungs- und Studienreisen nach Zentralamerika und Mittelamerika zusammentrug, ist auch dieses Steinrelief. "Gefunden am Fuße der Pyramide A, westliche Seite", notierte er 1909 in seinem Notizbuch. Damit bezeichnete Lehmann die mittlere von drei Pyramiden, die auf der untersten Plattform der Sonnenpyramide standen und heute nichtt mehr existieren. Die zinnenartige Steinplatte mit glatter Rückseite umgab vermutlich den Rand der Plattform und ist auf die klassische Epoche zu datieren.

In der szenischen Darstellung ist das rechte Profil einer großen Vogelfigur zu erkennen, die einen dreilappigen Gegenstand in den Klauen hält und daran pickt. Es wird vermutet, dass es einen Adler oder einen Geier beim Verschlingen eines Menschenherzes darstellt, aus dem Blut tropft. Im Vergleich zu den zahlreichen bunten Wandmalereien und Fresken waren Steinmetzarbeiten in Teotihuacán überaus selten. Charakteristisch dafür sind reduzierte geschlungene Linien und geometrische Formen. Das vulkanische Gestein wurde unterschiedlich tief bearbeitet und erhält damit seinen plastischen Eindruck.

Die Ikonographie verweist uns auf die religiösen Vorstellungen in Teotihuacán. Große starke Vögel, die hoch am Himmel fliegen symbolisierten die Sonne. Nach der mythologischen Vorstellung war die Sonne durch ein Selbstopfer der Götter entstanden. Für das Beschreiten ihrer tagtäglichen Laufbahn und zum Leuchten braucht die Sonne Kraft, die sie in Form von Menschenherzen und Blut dargebracht bekam. Die Darstellung erinnert an somit an die Opferung der Götter für die Menschen sowie das Ritual zum Dank und Aufrechterhaltung dieser Ordnung. Steinreliefs mit ähnlichen Motiven, jedoch erst zwei Jahrhunderte nach dem Untergang von Teotihuacán, schmückten auch die zentralen Gebäude der Tolteken in Tollan sowie in Chichén Itzá im Mayagebiet.


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