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Die Erfindung der Malerei
  • Die Erfindung der Malerei
  • Bild
  • Eduard Daege (10.4.1805 - 6.6.1883), Maler
  • 1832
  • Öl auf Leinwand
  • 176,5 x 135,5 cm
  • Ident.Nr. A I 216
  • 1876 Schenkung von Hermann Wichmann, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Im XXXV. Buch der »Historia naturalis« erzählt Plinius der Ältere den Abschied der Tochter des Korinther Töpfers Butades von ihrem Geliebten vor einer Reise. Nachdem sie den Umriß seines Schattens an der Wand notiert hat, wird ihr Vater ein Tonrelief verfertigen. Damit sind zuerst die Kunst der Zeichnung, sodann die der Plastik begründet. Dieser Mythos war den deutschen Künstlern aus Joachim von Sandrarts »Teutscher Academie« (1675) vertraut, dem Lesepublikum unter anderem aus Schriften von Herder und Lessing. Er kam der klassizistischen Kunsttheorie entgegen, die darauf beharrte, auch die Malerei von der Linie (statt von der Farbe) herzuleiten – eine Auffassung, zu der sich auch Daeges scharf umrissene, glashelle, ganz auf Lokalfarben eingestimmte Malweise bekennt.
In Berlin erscheint das Thema seit 1790 mehrfach, so bei Bernhard Rode, Franz Ludwig Catel, Johann Gottfried Schadow, Johann Erdmann Hummel. Gewöhnlich ist der Vorgang im Innenraum dargestellt: Plinius erwähnt ausdrücklich eine Lampe. Daege versetzt ihn ins Freie, an einen Brunnen, mit der Sonne als Lichtquelle. Dies entspricht jedoch anderen Lesarten der Sage, nach denen etwa ein Hirte den eigenen Schlagschatten auf dem Boden mit seinem Stab nachzeichnet. Auf Schinkels Entwurf (1830) für das Fresko »Menschenleben« in der Vorhalle des Museums zeichnet der Hirt in freier Natur den Schatten eines Mädchens nach. Doch die Anordnung der Figurengruppe entspricht noch mehr einer Komposition von Joseph-Benoît Suvée (1791, Groeningemuseum, Brügge), die als Kupferstich Verbreitung gefunden hatte. 1840 wandelte Daege seine Komposition für das Hauptmotiv eines allegorischen Album-Titelblattes ab (Bleistift, Kupferstichkabinett, Berlin).
Das Bild entstand im Auftrag des Vereins der Kunstfreunde im preußischen Staat (für 600 Reichstaler) und wurde wohl noch 1832 an die Gattin des Theologieprofessors und Pfarrers an der Berliner Dreifaltigkeitskirche, Philipp Konrad Marheineke, verlost. Später befand es sich im Besitz des Bildhauers Ludwig Wilhelm Wichmann (1788–1859), und kam 1876 als Geschenk seines Sohnes, des Musikdirektors Hermann Wichmann, in die neueröffnete Nationalgalerie, deren Einrichtung Daege als Akademiedirektor dreizehn Jahre lang geleitet hatte. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten (ligiert): 18 ED 32 [Monogramm]

AUSSTELLUNGEN
– Akademische Kunstausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1832
– Der Ruhm ein Traumgesicht. Kunst und Künstler in Allegorien und Historiendarstellungen des 19. Jahrhunderts, Berlin (Ost), Nationalgalerie im Alten Museum, 29.9.-12.11.1972
– Ein Architekt rahmt Bilder. Karl Friedrich Schinkel und die Berliner Gemäldegalerie, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, 4.5.-31.7.2007
– Im Tempel der Kunst. Die Künstlermythen der Deutschen, Berlin, Alte Nationalgalerie, 1.10.2008-18.1.2009
– Shadows, Madrid, Museo Thyssen, 10.02.-17.05.2009

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1832: 27. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste. Verzeichniß der Werke lebender Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1832, S. 9, Kat.-Nr. 110
– Ausst.-Kat. Berlin 1972: Der Ruhm ein Traumgesicht, Kunst und Künstler in Allegorien und Historiendarstellungen des 19. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Alten Museum, Berlin (Ost), 29.9.-12.11.1972, Kat.-Nr. 1, Abb. S. 3
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Im Tempel der Kunst. Die Künstlermythen der Deutschen, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin, 1.10.2008-18.1.2009, S. 74, 153, Kat. 39, Farbtaf. S. 75
– Ausst.-Kat. Dortmund 2005: Die Kleine Nationalgalerie. Ein Bildersaal deutscher Kunst im 19. Jahrhundert, Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, 26.6.2005-31.12.2007, S. 14-17, Abb. S. 14
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig 1891, Bd. I, 1, S. 208, Kat.-Nr. 4
– Jordan 1876: Max Jordan (Hrsg.), Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin 1876, 1878-1902, Kat.-Nr. 395
– Jordan 1878: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin 1878, 4., neu bearb.. Aufl., S. 77, Kat.-Nr. 395
– Museum. Blätter für bildende Kunst 1833 ff: Museum. Blätter für bildende Kunst (1833 ff), 1833, S. 7
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Nationalgalerie. Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen, München 1999 (CD-ROM)
– Raczynski 1836: Athanasius Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Berlin 1836-1841, Bd. III, 1841, S. 38
– Rosenberg 1879: Adolf Rosenberg, Die Berliner Malerschule. 1819-1879. Studien und Kritiken, Berlin 1879, S. 28 f.
– Rosenberg 1889: Adolf Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Leipzig, Grunow, 1889, Bd. II, 1887, S. 453
– Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, hrsg. v. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin (Ost) 1986, o. S., Taf. 14
– Wesenberg/Förschl 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig 2001, S. 106, Kat.-Nr. 108 mit Farbabb.
– Wesenberg/Verwiebe/Freyberger 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 178 mit Abb.
– Wille 1960: Hans Wille, "Die Erfindung der Zeichenkunst", in: Beiträge zur Kunstgeschichte; eine Festgabe für Heinz Rudolf Rosemann zum 9. Oktober 1960, hrsg. von Ernst Guldan, München, Deutscher Kunstverlag, 1960, S. 279-300


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