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Frühlingsreigen
  • Frühlingsreigen
  • Ludwig von Hofmann (17.8.1861 - 23.8.1945), Maler
  • 1909
  • Öl auf Leinwand
  • 105 x 201 cm
  • Ident.Nr. A II 982
  • 1942 Ankauf von dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Paul Clemen, Endorf; 1945 verschollen; 1971 Rückgabe aus Berliner Privatbesitz
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Tanz, Frühling, Mädchen sind Grundmotive nicht nur in dem symbolistisch-lyrischen Werk Ludwig von Hofmanns, es sind Symbole des Aufbruchs im neuen Jahrhundert. Das vierte Heft der berühmten Zeitschrift »Pan« publizierte im Jahr 1898 – mit einem Mädchenreigen Hofmanns illustriert – die »Lieder der Mädchen« von Rainer Maria Rilke. 1905 veröffentlichte Hofmann unter dem Titel »Tänze« eine Folge von zwölf Lithographien mit einem Vorwort Hugo von Hofmannsthals im Inselverlag. Auch in seinen verschiedenen Wandbildern variierte Hofmann diese Grundelemente: Das vorliegende Werk wiederholt in kleinerem Format das Bild »Tanzende mit Schleier« aus dem sechsteiligen Gemäldezyklus für die Museumshalle auf der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden 1906 (heute Klassik Stiftung Weimar, Kunstsammlungen). Die Arbeit an Wandbildern wirkte auf die Tafelbilder zurück. Auch sie wurden heller und flächenhafter; das Vorbild des Franzosen Puvis de Chavannes wirkte sich aus.
Das Bild »Frühlingsreigen« wird von einer Anzahl stilisierter weiblicher Gestalten bestimmt. Der Ausdruck von Jugend und Aufbruch vermittelt sich über die Gebärden. Die heftigen Bewegungen der vier Frauen der Mittelgruppe in ihren weißen, lockeren Gewändern und mit schwingenden Tüchern in Händen entsprechen dem modernen Ausdruckstanz der Zeit. Diese Gruppe kann zugleich als ›Zug ins Leben‹ verstanden werden. Die flankierenden großen Frauengestalten rechts und links, das sich zur Blume niederbeugende Mädchen im roten Kleid, die sich enthüllende junge Frau und die sich dem Licht Entgegenstreckende, verleihen der Bildkomposition etwas feierlich Bedeutsames, und repräsentieren zugleich drei Stadien der Entwicklung. Die Berge im Hintergrund sind nicht minder stilisiert, und sie geben den Figuren Halt. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Ludwig von Hofmann 1909

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2010: Verlust und Wiederkehr. Verlorene und zurückgewonnene Werke der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin, 10.12.2010-6.3.2011, S. 37, Abb. S. 15
– Ausst.-Kat. Taipeh 2004: A Century of German Genius. Masterpieces from Classicism to Early Modernism. Collections of the Berlin State Museums [chinesisch], Ausst.-Kat. National Palace Museum, Taipeh, 1.5.-1.8.2004, S. 268 f., Kat.-Nr. D/16, Farbtaf. S. 268/269
– Bernhard/Martin 1965: Marianne Bernhard und Kurt Martin, Verlorene Werke der Malerei. In Deutschland in der Zeit von 1939 bis 1945 zerstörte und verschollene Gemälde aus Museen und Galerien, hrsg. v. Klaus P. Rogner, München/Berlin 1965, S. 38
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen 1979, S. 358
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Nationalgalerie. Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen, München 1999 (CD-ROM)
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin, Mann, 1949, S. 38 f., 334, Taf. 248
– Zentralarchiv SMPK div. Jahre: Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin. Hauptabteilung (HA) I: Archiv der Nationalgalerie, Berlin div. Jahre (unveröff.), Tgb. 198/42


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