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Clarissa Strozzi (1540-1581) im Alter von zwei Jahren
  • Clarissa Strozzi (1540-1581) im Alter von zwei Jahren
  • Bild
  • Tizian (1488 - 27.8.1576), Herstellung, Maler
  • 1542
  • Entstehungsort: Venedig (Stadt)
  • Leinwand
  • 121,7 x 104,6 cm
  • Ident.Nr. 160A
  • 1878 Ankauf aus der Sammlung Principe Fernando Strozzi, Palazzo Strozzi, Florenz
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Christoph Schmidt
Description
Das Bildnis der zweijährigen Clarissa Strozzi entstand in Venedig im Jahre 1542, wie die Inschrift im Bild auf der oben links an der Wand angebrachten Tafel ausweist. Es ist eines der wenigen reinen Kinderporträts in Tizians Oeuvre und eines der frühesten autonomen Kinderporträts in der italienischen Malerei, zusammen mit den etwa gleichzeitig entstandenen Porträts der Medici-Kinder von Bronzino. Clarissa Strozzi (1540-1581) war die älteste Tochter von Roberto Strozzi und Magdalena de’ Medici aus Florenz und erhielt ihren Namen vermutlich nach ihrer Großmutter Clarissa de’ Medici. Sie wurde in Venedig geboren, wo sich ihre Eltern von 1536 bis 1542 im Exil befanden. Pietro Aretino, der Schriftsteller und Freund Tizians, bewunderte in einem Brief an den Maler vom 6. Juli 1542 die Schönheit und Naturwahrheit des eben fertiggestellten Bildnisses. Das Mädchen steht an einem Steintisch, dessen Sockel ein antikisierendes Marmorrelief tanzender Putten zeigt, und füttert sein Hündchen mit einer Brezel. Es trägt ein langes seidenes Kleid, von einem Gürtel hängt an einer fast bis zu den Füßen reichenden Kette ein Duftdöschen, ein sogenannter Bisam apfel, herab. Eine Fensteröffnung rechts oben, oberhalb des Steintisches, gibt den Blick frei auf eine ferne Parklandschaft mit zwei Schwänen an einem Wasser. Die Gebirgszüge über dem Horizont hat Tizian offenbar nachträglich übermalt und dem blauen Himmel zugeschlagen. Sind die größten Helligkeitswerte in der Bildmitte, in der Gestalt des Kindes, in den Fleischtönen und dem seidenen Gewand konzentriert, so stellt die weinrote Draperie, die rechts am Rand des Steintisches herabhängt, den stärksten Farbakzent dar, der mit dem Dunkelgrün der Landschaft und dem Blau des Himmels einen zurückhaltenden farbigen Dreiklang in der rechten Bildhälfte bildet. Die linke Bildhälfte ist dagegen ohne farbigen Akzent und liegt weitgehend im Dunkel, das nur von der Inschrifttafel oben links unterbrochen wird, die das Gegengewicht zum Puttenrelief unten rechts bildet. Die an der senkrechten Mittelachse orientierte, posierende Mädchengestalt, deren Blick am Betrachter vorbei in die Ferne geht, strahlt kühles Selbstbewußtsein aus. Der untere Rand der Fensteröffnung bzw. die Steintischplatte markieren die Querachse. Im Koordinatensystem der Achsen wächst der scheinbar ungezwungen spielerischen Haltung des Kindes Standfestigkeit und Würde zu. Noch im gleichen Jahr, als das Bild fertig war, mußte die Familie Strozzi die Republik Venedig verlassen, der sie durch die enge Verbindung mit dem französischen Hof unbequem war. Spätestens 1544 ließ sie sich in Rom nieder, wo Clarissa 1557 mit Cristofano Savelli vermählt wurde. Nach ihrem Tod blieb das Bild im Familienpalast in Rom. 1641 war es in einer der jährlichen Kunstausstellungen in der Vorhalle von S. Giovanni Decollato zu sehen. 1770 wurde es von Domenico Cunego gestochen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte man das Bild aus Rom in den Palazzo Strozzi in Florenz, aus dem Wilhelm Bode es 1878 für die Berliner Galerie erwarb.| Erich Schleier

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Vorderkannte der Steinplatte des Tisches rechts: TITIANVS. F Auf einer links oben an der Wand angebrachten Tafel: ANNOR. II. MDXLII


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