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Maria mit dem schlafenden Kind
  • Maria mit dem schlafenden Kind
  • Andachtsbild
  • Andrea Mantegna (1430/31 - 1506), Herstellung, Maler
  • 1455 - 1460
  • Herstellungsort: Italien (Land)
  • Leinwand
  • 48,4 x 32,2 cm
  • Ident.Nr. S.5
  • 1904 Schenkung von James Simon, Berlin
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Mantegna, 1431 bei Padua geboren, war gleichaltrig mit Giovanni Bellini, dessen Schwager er 1453 oder 1454 wurde. Unter den aus Venedig und dem Veneto stammenden Malern seiner Generation war er neben und vor Giovanni Bellini sicher der bedeutendste Meister des Quattrocento. Sein antiquarisches Interesse, geweckt durch die humanistischen Bestrebungen der Paduaner Universität, und das tiefe Verständnis für die antike Baukunst, Skulptur und Epigraphik manifestieren sich vielfach in seinem Werk. Ausgebildet in Padua bei Francesco Squarcione (1441-1448), seinem Adoptivvater, wurde er vor allem von Donatello beeinflußt, der von 1443 bis 1453 in Padua wirkte, von Antonio Vivarini, Jacopo Bellini sowie von Andrea del Castagnos venezianischen Fresken (S. Zaccaria, 1442). 1459 siedelte er nach Mantua über, wo er Hofmaler des Markgrafen Lodovico Gonzaga und seiner Nachfolger wurde. 1466 reiste er nach Florenz, von 1488 bis 1490 war er in Rom tätig. Mantegna ist mit drei berühmten Werken in der Berliner Galerie hervorragend vertreten. Das intimste, zarteste, poetischste Werk ist zweifellos die Maria mit dem schlafenden Kind, die als Teil einer großherzigen Schenkung des Berliner Sammlers James Simon 1904 in die Galerie gelangte. Es ist in Leimfarbe auf ungrundierte Leinwand gemalt, ein damals noch selten, aber gerade von Mantegna angewandtes Verfahren. Die Struktur des feinen Leinens drückt sich durch die ganz dünn aufgetragene Farbe durch. Maria trägt ein einfaches dunkelblaues, im Rücken weit ausgeschnittenes Kleid und hält das schlafende, fest in Windeln gewickelte Kind zärtlich mit der linken Hand an sich. Mit der rechten Hand hält sie seinen Kopf, damit er nicht abgleite, und schmiegt ihren Kopf an seinen, wobei die Schräge ihres Gesichtskonturs einen Diagonalzug in die Komposition bringt. Ein Mantel aus kostbarem Goldbrokat mit Granatapfelmotiven umhüllt sie und das Kind, ein Kopftuch aus dem gleichen oder ähnlichem Stoff, vielleicht zum Mantel gehörend, bedeckt ihr Haar. Locken fallen über die Wange. Der weit geschwungene Kontur des scharfen Grates des Mantels setzt sich bruchlos fort im Kontur von Schulter und Nacken bis zum Kopftuch. Drückt die Haltung ihrer Hände innige Geborgenheit aus, so verraten ihr Gesichtsausdruck und der verlorene Blick Melancholie, in welcher die Trauer über die kommende Passion Christi anklingt. Mantegna hat sich von Madonnenreliefs Donatellos anregen lassen, vor allem von der sogenannen Verona-Madonna aus der Paduaner Zeit, einem nur in dreizehn nicht originalen Versionen überlieferten Werk. Die Datierung von Mantegnas Bild ist umstritten. Es wurde in die Paduaner Frühzeit (Tietze-Conrat) gesetzt, aber auch als Spätwerk um 1490/95 angesehen (Berenson; Longhi, Lightbown 1986). Vermutlich entstand es in Mantua in den Jahren 1465/70 (Christiansen 1992), in der Zeit der Fresken der Camera Picta im Palazzo Ducale.| Erich Schleier


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