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Die Messe des Heiligen Antonius Abbas
  • Die Messe des Heiligen Antonius Abbas
  • Polyptychon
  • Sano di Pietro (12.1405 - 10.1481), Herstellung, Maler
  • um 1435
  • Herstellungsort: Italien (Land)
  • Pappelholz
  • 46,8 x 33,4 cm
  • Ident.Nr. 63D
  • Ankauf 1910
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Das Berliner Bild ist Teil einer Serie von acht Tafeln, die ursprünglich zu einem Altarwerk gehörten, dessen Mittelkompartiment (ein Gemälde, eine Skulptur oder eine Prozessionsfahne) verloren ist. Die Tafeln waren ehemals Sassetta zugeschrieben und wurden von R. Longhi (1940) und A. Graziani (1948) dem anonymen Meister der Osservanza zugewiesen, benannt nach einem Triptychon in der Kirche der Osservanza bei Siena. Alle acht Tafeln waren 1988/89 in der denkwürdigen Ausstellung »Painting in Renaissance Siena 1420-1500« im Metropolitan Museum in New York versammelt. Der Katalogtext von K. Christiansen und seine nachträglichen Kommentare (1990) bilden die aktuellste Würdigung und eindringlichste Analyse des Gesamtkomplexes und der Persönlichkeit des Meisters bzw. seiner Werkstatt. Von den sechs hochrechteckigen Tafeln, zu denen auch das Berliner Bild gehört, waren jeweils drei seitlich übereinander angeordnet, während die querformatigen Tafeln zur Predella gehörten. Die Abfolge der Tafeln beginnt links unten mit dem Berliner Bild und ist von unten nach oben, erst links und dann rechts, abzulesen. Die letzte Szene, das Begräbnis, bildete die rechte Predellentafel. In der zweiten Szene, der Verteilung der Habe, ist das Wappen der prominenten Sieneser Familie Martinozzi zu sehen, die das Altarwerk in Auftrag gegeben haben dürfte. Zahlreiche ikonographische Gründe sprechen dafür, daß das Altarbild aus einer Augustinerkirche stammte, möglicherweise aus S. Agostino in Siena (De Marchi 1988). Augustinus und die Augustinereremiten verehrten den heiligen Antonius besonders. Die Betonung der Zurückweisung des Reichtums und der Wahl des Eremitenlebens, von Armut und der Synthese von Vita activa und Vita contemplativa, die Balance zwischen Szenen mit urbanen, architektonischen und landschaftlichen Schauplätzen bestimmen die Auswahl und den Charakter der Szenen (Christiansen 1988). Grundlage für die Darstellungen ist die Adaption der Vita des Heiligen von Athanasius durch den Pisaner Dominikaner Cavalca aus dem 14. Jahrhundert. In der Berliner Tafel sind zwei Episoden simultan dargestellt. Im Hintergrund sieht man die Szene, wie der Heilige im Knabenalter vor dem Hochaltar einer gotischen Kirche betend kniet, im Vordergrund, wie er als Achtzehn- oder Zwanzigjähriger, sechs Monate nach dem Tod seiner Eltern, der Messe beiwohnt, während der Priester aus dem Matthäus-Evangelium (19, 21) die Worte an den reichen Jüngling liest: »Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach«. Als Antonius diese Worte hörte, als kämen sie von Gott, und sich vorstellte, daß Gott sie zu ihm und für ihn gesprochen habe, nahm er sich Gottes Befehl zu Herzen. Schon lange hat man die Ähnlichkeit der dargestellten gotischen Kirche mit dem Dom von Siena bemerkt, in neuerer Zeit aber hat man nachgewiesen, daß die Kapelle, in der die Messe gelesen wird, die Kapelle des heiligen Ansanus links vom Hochaltar des Doms ist. Die Szenen der acht Tafeln sind sicher von einem einzigen Meister konzipiert, aber von mehreren Händen ausgeführt worden. Das Altarwerk war das Produkt einer »compagnia«, »einer Werkstattgemeinschaft, in der zwei oder mehr Meister Materialien, Gehilfen und Aufträge sich miteinander teilten« (Christiansen 1988) und die Aufträge gemeinsam ausführten. Zu der Werkstattgemeinschaft gehörte zumindest auch der junge Sano di Pietro.| Erich Schleier


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