SMB-digital

Online collections database

Der Mann mit dem Goldhelm
  • Der Mann mit dem Goldhelm
  • Bild
  • Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669), Umkreis, Maler
  • 1650 - 1660
  • Herstellungsort: Holland (Region)
  • Leinwand
  • 67,50 x 50,70 cm
  • Ident.Nr. 811A
  • 1897 erworben durch den Kaiser Friedrich Museumsverein
  • Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Christoph Schmidt
Description
Der „Mann mit Goldhelm“ ist heute unlösbar mit der Berliner Gemäldegalerie und ihrer wechselhaften Geschichte verknüpft. Kein anderes Bild hat aufgrund seiner enormen Popularität und Strahlkraft eine derart wichtige Rolle für die Sammlung gespielt.
In der lebensgroßen Büste eines nach schräg rechts gewendeten, älteren Mannes mit Prunkhelm und eisernem Halskragen meinte man lange ein Porträt des zehn Jahre älteren Bruders von Rembrandt, Adriaen, erkennen zu können. Tatsächlich stellt das Bild kein Porträt im herkömmlichen Sinne dar. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein sogenanntes Tronie, also eine porträtähnliche Kopf- oder Charakterstudie mit starker Konzentration auf das dargestellte Gesicht. Obgleich diese Art von Bildern in der Regel nach einem lebenden Model gemalt wurde, sind sie nicht der Gattung des Porträts zuzurechnen. Da Tronies häufig als Demonstrationsstücke malerischer Virtuosität dienten, trat der ikonographische Inhalt meist in den Hintergrund. Dies gilt mit Sicherheit auch für den „Mann mit Goldhelm“. Das besondere Augenmerk des Künstlers lag hier fraglos auf der überzeugenden Wiedergabe der Bildpartie, die sich deutlich vom restlichen Bild abhebt und die bereits früh als „Hauptsache“ der Darstellung identifiziert wurde: dem reich verzierten Helm. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine zeitgenössische Kopfbedeckung, sondern um eine spanische oder italienische Sturmhaube des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Derartig aufwendig verzierte und vergoldete Helme konnten sich nur die höchsten und mächtigsten Würdenträger leisten. Bei dem dargestellten Goldhelm handelt es sich somit um eine große Rarität und Kostbarkeit, die der Maler im Bild durch Beleuchtung und pastose Malweise entsprechend aufwendig inszenierte.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts taucht das Werk aus einer Schweizer Privatsammlung auf, ohne zuvor in Fachkreisen bekannt oder publiziert gewesen zu sein. Wilhelm von Bode erwarb das Bild 1897, nachdem er in ihm ein eigenhändiges Werk des Malers erkannt und den Dargestellten mit Rembrandts Bruder identifiziert hatte. Entscheidend für seine Zuweisung an Rembrandt dürfte der Vergleich mit einem signierten Werk des Malers gewesen sein, dass 1891 für das Mauritshuis in Den Haag angekauft wurde und das sowohl dasselbe Model als auch dieselbe Malweise aufweist (Vergleichsabbildung). In der Folge erlangte „Der Mann mit Goldhelm“ als eigenhändiges Werk Rembrandts größte Beliebtheit und stand stellvertretend für Bodes herausragende Kennerschaft.
1986 wurde das Bild nach ausführlichen kunsttechnologischen und kunsthistorischen Untersuchungen endgültig abgeschrieben und dem Rembrandt Umkreis zugeordnet. Auch den neuesten Untersuchungen zufolge, stammt das Gemälde nicht von Rembrandts Hand, wurde jedoch höchstwahrscheinlich in Amsterdam in der Zeit von 1650-1660 produziert. Dies legt u.a. die typische Ausprägung des Bildes als eigenständiges Kunstwerk einer späten Tronie nahe. Der charakteristische Einsatz von Smalte sowie die Verwendung eines bestimmten, auch auf anderen Bildern des Rembrandtkreises auftauchenden Modells lassen zudem den Schluss zu, dass der Maler in Rembrandts Werkstatt gearbeitet haben muss, zumindest jedoch engen Kontakt zu dieser gehabt haben dürfte.| Katja Kleinert/ Claudia Laurenze Landsberg
____________________________________________________________

In 1986, following thorough technical and art-historical examinations, the attribution of this popular painting, previously accepted as a Rembrandt, was removed. The latest investigations have confirmed the reversal of the attribution. In particular the thick application of paint to the helmet in contrast to the conspicuously flat rendering of the face, robe and background, which are placed adjacent to each other without a transition, does not correspond to Rembrandt’s way of working. Although Rembrandt structured and modeled surfaces powerfully, he gave a balanced treatment to the different parts of the work and connected them. The application of flesh tones without depth of form also diverges from Rembrandt’s manner. At the same time, the painting reveals clear weaknesses in its handling of proportions and orientation of the figure. It must therefore be concluded that it is not the work of Rembrandt’s own hand, but was probably painted in Amsterdam between 1650 and 1660. The characteristic use of smalt suggests the conclusion that the artist may well have worked in Rembrandt’s studio, or at least must have had close contact to the studio. |Katja Kleinert / Claudia Laurenze-Landsberg


SMB-digital is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at www.bpk-bildagentur.de.