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Bildnis eines jungen Mannes
  • Bildnis eines jungen Mannes
  • Porträt
  • Antonello da Messina (1430 - 1479), Maler
  • 1478
  • Nußbaumholz
  • 20,4 x 14,5 cm
  • Ident.Nr. 18
  • 1821 Ankauf mit der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Christoph Schmidt
Beschreibung
Antonello da Messina erfuhr seine Ausbildung in Neapel bei dem von niederländischen Vorbildern beeinflußten Colantonio in den Jahren um 1445/55 (vielleicht bis 1450). Am Hofe des Königs von Neapel, Alfons I. von Aragon, konnte er Werke Jan van Eycks studieren (Lomellini-Triptychon, Der Heilige Georg), die ihm nicht nur künstlerische, sondern auch maltechnische Anregungen vermittelten. Neuerdings ist die letztlich auf Vasari zurückgehende Hypothese einer Reise nach Flandern (etwa zu Petrus Christus in Brügge) um die Jahre 1450/55 wiederaufgegriffen (J. Wright 1980; M. G. Paolini 1980), doch wenig später wieder verworfen worden (J. Bruyn 1982). 1456 ließ sich Antonello in Messina nieder, wo er 1479 starb. Berührungen mit der Kunst Piero della Francescas und Fra Angelicos haben an einen Romaufenthalt in den sechziger Jahren denken lassen, auch eine erste Reise nach Venedig und Padua in den späten sechziger Jahren nimmt man an. Sicher reiste er dann 1475, vielleicht schon Ende 1474, nach Venedig, wo er nicht ganz zwei Jahre blieb, unter anderem die große Altartafel in S. Cassiano schuf, in Konkurrenz zu Giovanni Bellini trat und die künstlerische Entwicklung der venezianischen Malerei nachhaltig beeinflußte. Berühmt war Antonello als Bildnismaler. Von den beiden Berliner Porträts ist das eine 1474 datiert, das heißt kurz vor der Reise nach Venedig. Das zweite, hier abgebildete, trägt das Datum 147(8), das heißt, es ist ein Jahr vor seinem Tod entstanden. Es ist sein letztes erhaltenes Bildnis. Antonello hat in Italien bekanntlich als erster den Porträttypus in Dreiviertelansicht eingeführt, den er aus der niederländischen Kunst, von Vorbildern van Eycks, von Petrus Christus vor allem, von Rogier van der Weyden und von Memling kannte, von denen es Beispiele in Italien gab. Antonellos erhaltene Bildnisse sind ausnahmslos Brustbilder mit sehr knappem Bildausschnitt. Die Dargestellten sind immer nach links gewandt, von links beleuchtet und kraftvoll modelliert, den Blick aus den Augenwinkeln auf den Betrachter richtend. Sie erscheinen entweder hinter einer schmalen Steinbrüstung, die als Repoussoir und zur Anbringung eines »cartellino« mit der Signatur diente wie bei den beiden Berliner Bildnissen, oder ohne Steinbrüstung wie in den frühen Bildnissen in Cefalù, Pavia und New York. Alle Porträts, bis auf das späte Berliner Bild, zeigen den Dargestellten vor dunklem neutralem Grund. Mehrere seiner Porträts schuf Antonello in Venedig, wo sie vor allem Bellini beeindruckten, dessen Porträtierte jedoch vorzugsweise in Kopfrichtung nach links blicken, aus dem Bild heraus und am Betrachter vorbei, wodurch kühle Distanz hergestellt wird. Auch benutzte Bellini nach 1480 zunehmend freien Himmel als Hintergrund über einer Brüstung, in den vor 1500 entstandenen Werken allerdings nie mit einer Landschaft. Die meisten Porträts Antonellos sind zwischen 27 und 36 cm hoch, das späte Berliner Bild mißt dagegen nur 20 cm und ist damit bei weitem das kleinste. Das mindert jedoch nicht die innere Monumentalität des Bildes, in dem der junge Mann kühl prüfend auf den Betrachter blickt, ja herabblickt. Ungewöhnlich sind der tiefblaue abendliche Himmel und besonders die Landschaft im Winkel zwischen Ärmelkontur und linkem Bildrand. An der rechten Schulter ist ein größeres Pentiment zu beobachten: Die Kontur von Schulter bzw. Ärmel griff ursprünglich weiter nach links aus, so daß für eine Landschaft kein Platz gewesen wäre. Die Korrektur wurde von Antonello noch während des ersten Malvorgangs vorgenommen.


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