SMB-digital

Online collections database

Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes "Bardi-Altar"
  • Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes "Bardi-Altar"
  • Retabel
  • Sandro Botticelli (1445 - 1510), Herstellung, Maler
    Giovanni d'Agnolo de' Bardi, Bestellung, Auftraggeber
  • 1484 - 1485
  • Herstellungsort: Italien (Land)
  • Pappelholz
  • 185 x 180 cm
  • Ident.Nr. 106
  • Erworben 1829
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Von Botticelli, dem wohl berühmtesten Florentiner Maler des späten 15. Jahrhunderts, besitzt die Gemäldegalerie sechs Werke, von denen allerdings drei nur Werkstattarbeiten oder Repliken sind. Von den drei übrigen ist der heilige Sebastian aus S. Maria Maggiore das bedeutendste. Das prächtigste, anspruchsvollste, besterhaltene und dasjenige, über dessen Entstehung wir am besten unterrichtet sind und dessen ursprünglicher Kontext heute noch unmittelbar einsehbar ist, ist das Altarbild der Bardi-Kapelle in S. Spirito in Florenz. Botticelli malte es für den Florentiner Kaufmann Giovanni d’Agnolo de’ Bardi (1431-1487/88), der fast zwei Jahrzehnte vorwiegend in England gelebt und dort als geschäftsführender Partner in der Londoner Niederlassung der Medici-Bank gewirkt hatte. 1483 nach Florenz zurückgekehrt, erwarb er einen Palazzo in der Via de’ Benci und errichtete in S. Spirito eine Grabkapelle für sich, und zwar an der Stirnwand des Chorarms der nach Plänen von Brunelleschi errichteten Kirche, deren Innenausstattung zum großen Teil durch einen Brand im Jahre 1471 vernichtet worden war. Daher mußten die Familien, die schon Patronatsrechte über einzelne Kapellen besaßen, eine komplette Neuausstattung der Altäre in Auftrag geben. Im März 1484 waren die Altäre aufgemauert, die Aufträge für die Altarretabel konnten vergeben werden. Der Altar der Bardi-Kapelle in der flachen, halbrunden hohen Nische unterhalb des hochgelegenen schmalen Fensters – genau in der Verlängerung des linken Seitenschiffs und von dort im Durchblick zu sehen – gehörte zu diesem Ausstattungsprogramm von Kapellen; sie wurden in den Nischen des Chorarms und der beiden Querarme errichtet und sind zum großen Teil heute noch mit ihren originalen Tabernakelrahmen erhalten. Botticelli wurde am 3. August 1485 für sein Bild bezahlt, nachdem der Architekt Giuliano da San Gallo schon vorher für den von ihm entworfenen Rahmen entlohnt worden war. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der Kapellen in den Querarmen, deren originale Altäre erhalten geblieben sind, wurden die vier Altäre an der Stirnwand des Chorarms, darunter auch der Altar der Bardi-Kapelle, am Ende des 16. Jahrhunderts bzw. im 17. Jahrhundert mit größeren, hochrechteckigen Altaraufbauten versehen. Das neue Altarbild, das Botticellis Werk verdrängte, wurde von Jacopo Vignali (1592-1664) gemalt und stellt ein ganz anderes Thema dar. Als damals von der Familie Bardi Botticellis Bild zurückgezogen wurde, ging wohl schon der originale Rahmen verloren. Nur der Paliotto, der die Vorderseite der Mensa schmückt, blieb erhalten. 1825 verkauften die Bardi das Altarbild an den Kunsthändler F. Acciaj, der es 1829 über Rumohr an die Königlichen Museen verkaufte. Das Bild stellt die auf der marmorverkleideten Steinbank thronende Maria mit dem Kind zwischen Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten dar. Der Ehrenplatz zur Rechten der Madonna ist Johannes dem Täufer zugewiesen, dem Titelheiligen der Kapelle, Namenspatron des Auftraggebers und Stadtpatron von Florenz. Die Komposition des Bildes ist ein klassisches Beispiel der Sacra Conversazione, der thronenden Madonna »im Gespräch« mit den flankierenden Heiligen, die die Gläubigen dem Schutz der Madonna anempfehlen. Die Figuren sind hinterfangen von einer reichen, dichten Vegetation. An den Blumenvasen und im Laubwerk weisen Schriftbänder mit lateinischen Zitaten aus dem Buch Jesus Sirach darauf hin, daß nach mittelalterlicher Auslegung die Gottesmutter als Thron der göttlichen Weisheit verstanden wurde.| Erich Schleier


SMB-digital is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at www.bpk-bildagentur.de.