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Profilbildnis einer jungen Frau
  • Profilbildnis einer jungen Frau
  • Bild
  • Piero del Pollaiuolo (1441/42 - 1496), Herstellung, Maler
  • um 1465
  • Herstellungsort: Italien (Land)
  • Pappelholz
  • 52,2 x 36,2 cm
  • Ident.Nr. 1614
  • 1897/98 Ankauf von der Kunsthandlung Paul & Dominic Colnaghi, London
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Christoph Schmidt
Description
Das Profilbildnis einer jungen Frau gehört zu den bekanntesten Bildern der Gemäldegalerie und zu den berühmtesten Frauenporträts der italienischen Frührenaissance. Dennoch wissen wir nichts über seine Entstehung und Geschichte vor 1800 und nichts Bestimmtes über seinen Autor. Nach mehr als 100 Jahren kunstgeschichtlicher Forschung seit dem Auftauchen des Bildes 1894 ist die Autorschaft immer noch bzw. wieder umstritten. Damals galt das Bild als Werk Piero della Francescas. Bode (1897) erkannte die Zusammengehörigkeit mit dem weiblichen Profilbildnis im Museo Poldi Pezzoli in Mailand, das ebenfalls als Werk Piero della Francescas galt. Er schrieb beide Porträts Domenico Veneziano zu – was zwar in der Galerie bis 1972 beibehalten wurde, aber von Anfang an nur wenig Zustimmung fand und heute mit Sicherheit als nicht zutreffend gelten kann. Nachdem Berenson zuerst in Verrocchio und dann in Baldovinetti den Autor des Bildes gesehen hatte, schrieb A. Venturi (1911) das Bild Antonio del Pollaiuolo zu. Diese Zuschreibung wird von der überwiegenden Zahl der neueren Forscher bis in die jüngste Zeit akzeptiert, ja als gesichert angesehen, während eine beachtliche Minderheit das Porträt Antonios Bruder Piero zuschreibt. Während also im Laufe der letzten vierzig Jahre die Autorschaft nur mehr zwischen den beiden Brüdern strittig schien, verwies L. Ettlinger schon 1963 und erneut in seiner Pollaiuolo-Monographie (1978) die Porträtgruppe wieder in die Anonymität zurück. Tatsächlich gibt es im Kernbestand der Werke der beiden Brüder Pollaiuolo keine direkten, schlagenden Vergleiche für die weiblichen Profilbildnisse. Vielmehr beruht die Zuschreibung auf der subtilen Beobachtung gewisser Stilmerkmale, die zugleich Errungenschaften gegenüber den früheren Florentiner Profilbildnissen sind: beim Berliner Porträt etwa die leichte Wendung des Körpers zum Betrachter unter Beibehaltung der Profilansicht des Gesichtes, das Absetzen des Konturs gegen einen das ganze Bildfeld überspannenden blauen Himmelsgrund über einer schmalen Marmorbalustrade mit inkrustierten Scheiben (vergleichbar denen im Altarbild der Kapelle des Kardinals von Portugal in S. Miniato al Monte), ferner die scharf artikulierende Behandlung der Ornamentik des Gewandes, die auf Antonio del Pollaiuolos Erfahrung als Goldschmied, Bronzebildner und Entwerfer von Stickereien zu deuten scheint. In der Reinheit der Linienführung, in der Hoheit der Haltung und selbstbewußten Würde des Ausdrucks ist das Porträt jedenfalls eine der schönsten Verkörperungen Florentiner Porträtkunst der Frührenaissance.| Erich Schleier


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