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Leda mit dem Schwan
  • Leda mit dem Schwan
  • Bild
  • Correggio, Antonio Allegri, gen. (1489 - 1534), Herstellung, Maler
  • um 1532
  • Herstellungsort: Italien (Land)
  • Leinwand
  • 156,2 x 195,3 cm
  • Ident.Nr. 218
  • 1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern
  • Sammlung: Gemäldegalerie
  • © Foto: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Das Bild gehört zu einem Zyklus mit Darstellungen von Liebesabenteuern des Jupiter in verwandelter Gestalt, den Correggio im Auftrag des Herzogs von Mantua, Federico II. Gonzaga, um 1530/32 malte. Leda war die Tochter des Thestios, des Königs von Ätolien, und Gemahlin des Spartanerkönigs Tyndareos. Von den sehr verschiedenen Überlieferungen des Mythos ist in Correggios Bild die verbreitetste Version dargestellt: Am Ufer des Eurotas nähert sich Jupiter in Gestalt eines Schwans Leda und verführt sie. In der Bildmitte, am Ufer vor einer Baumgruppe, sieht man Leda mit dem Schwan, links zwei kleine Amoretten mit Blasinstrumenten und den geflügelten, jünglingshaften Amor mit der Leier, dem apollinischen Instrument göttlicher Musik. Von dem Zyklus sind neben der Leda das fast gleich große Bild der Danae (Rom, Galleria Borghese) sowie zwei Hochformate erhalten, die Entführung des Ganymed und Jupiter und Io (Wien, Kunsthistorisches Museum). Vasari (1550/68), der die Bilder nicht persönlich gesehen, sondern nur durch den in Mantua wirkenden Giulio Romano von ihnen gehört hatte, berichtet, daß Correggio »zwei Bilder in Mantua für Herzog Federico II. gemacht habe, die dem Kaiser geschickt werden sollten«: eine Leda und eine Venus, mit der er die Danae gemeint haben könnte, wobei gewisse Einzelheiten seiner Beschreibung eher auf die Io passen. Federico könnte die vier Bilder für sich selbst bestellt haben, wie Verheyen (1966) glaubte und Gould (1976) als möglich einräumte. Er könnte aber auch, wie Gould vorschlug, die beiden von Vasari nicht eigens erwähnten Hochformate zunächst für sich selbst bestellt haben und, als Kaiser Karl V. diese sah und bewunderte, sie ihm geschenkt haben mit dem Versprechen, noch zwei weitere Bilder (Leda und Danae) zu liefern, die er dann bei Correggio für den Kaiser bestellt hätte. Bis vor kurzem bezog man Vasaris Angaben auf die Krönung Karls V. in Bologna 1530 (und die Thronbesteigung Federicos in Mantua im gleichen Jahr). Gould meinte, daß sich der von Vasari beschriebene Vorgang bei einem der beiden Besuche des Kaisers in Mantua zugetragen habe, wahrscheinlich bei dem zweiten im November 1532. Im September 1534, ein halbes Jahr nach Correggios Tod, begann ein Briefwechsel zwischen dem Herzog und dem Gouverneur von Parma, der Correggios Kartons der Jupiterabenteuer betraf. Gould bezog diese Kartons nicht auf die erhaltenen vier Bilder, wohl aber Verheyen, der aus den Briefen ableitete, daß der Zyklus noch mehr Bilder umfaßt habe. Verheyen stellte die Hypothese auf, daß die Bilder die »Sala di Ovidio« im Palazzo del Tè, der Sommerresidenz des Herzogs, schmücken sollten. Dieser Raum gehörte zu einem »Appartamento«, das vielleicht für die offizielle Mätresse des Herzogs, Isabella Boschetti, bestimmt war. Gould und andere Forscher beurteilten Verheyens Hypothese und Rekonstruktion der Raumdekoration skeptisch. Die späteren Geschicke der Bilder waren äußerst wechselvoll. Danae und Io gelangten in den Besitz des Bildhauers Leone Leoni in Mailand. 1601 kaufte der kaiserliche Gesandte in Madrid sie von dessen Sohn Pompeo für Kaiser Rudolf II. von Habsburg in Prag. 1603 erwarb dieser auch die Leda und den Ganymed von König Philipp III. von Spanien, dem Sohn Philipps II. Die Leda ist das einzige Bild des Zyklus’, das im Nachlaßinventar Philipps II. aufgeführt ist. Vor dem Abtransport nach Prag wurden die Bilder im Auftrag Philipps III. von Eugenio Caxés kopiert. Leda und Danae gehörten zur Beute der schwedischen Truppen, die 1648 Prag eroberten, und wurden nach Stockholm gebracht. Königin Christine von Schweden nahm sie nach ihrer Abdankung 1654 mit nach Rom. Nach ihrem Tod (1689) gelangten sie 1721 in die Sammlung des Regenten von Frankreich, Herzog Philippe von Orléans (1674-1723). Sein Sohn Louis (1703-1752), der die Darstellung der Leda anstößig fand, zerstückelte das Bild in einem Anfall religiösen Wahns. Er gab die einzelnen Teile dem Hofmaler und Kurator seiner Sammlung, Charles Coypel, der das Bild wieder zusammensetzen und restaurieren durfte. Bei der Versteigerung der Sammlung 1753 waren die Stücke offenbar noch nicht wieder zusammengefügt. Für den Käufer Pasquier setzte die Witwe Godefroi sie wieder zusammen, und der Maler Delyen restaurierte den Kopf. Pasquier starb schon zwei Jahre später. Auf der Auktion seiner Sammlung erwarb der Graf d’Epinaille das Bild für Friedrich den Großen, in dessen Gemäldegalerie in Potsdam es 1770 von Matthias Oesterreich beschrieben ist. Als 1806 Napoleon das Bild nach Paris bringen ließ, restaurierte Prudhon den Kopf der Leda erneut. Die letzte Restaurierung bzw. Neumalung des Kopfes erfolgte durch Jakob Schlesinger in Berlin 1834/35. Der Kopf war ursprünglich mehr nach rechts geneigt.| Erich Schleier


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