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Attische Schale: Schulunterricht
  • Attische Schale: Schulunterricht
  • Schale (Gefäßform)
  • Douris (Schaffenszeit: spätes 6. Jh.v.Chr. - Mitte 5. Jh.v.Chr.), Maler
  • 1. Viertel 5. Jh.v.Chr.
    Genauer: um 480 v. Chr.
  • Fundort: Cerveteri/Caere (Italien)
  • Ton, rotfigurig
  • Höhe: 11,5 cm
    Durchmesser: 28,5 cm
  • Ident.Nr. F 2285
  • 1872 erworben
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Johannes Laurentius
Description
Das aufstrebende Bürgertum hatte sich in der Spätarchaik die aristokratische Kultur angeeignet, und zwar nicht zuletzt die - Trinkkultur. Im Bestand eines Antikenmuseums schlägt sich diese Entwicklung in Vielzahl, Vielfalt und Qualität des bildbemalten Trinkgeschirrs aus dem späten 6. und früheren 5. Jh. v. Chr. eindrucksvoll nieder. Dies ist die große Zeit der Trinkschalen.
Unsere Schale ist im Innenbild signiert: »Duris hat (es) gemalt«. Den Stil dieses Vasenmalers können wir von etwa 500 v. Chr. an über fast vier Jahrzehnte verfolgen; mehr als 250 Schalen sind ihm bis heute zugewiesen. In seiner Zeichenkunst bringt er es zu einer sehr vornehmen und gepflegten Konventionalität, die ihn schon fast wieder eigenartig erscheinen lässt. Seine Themen sind die der Zeit, neben Mythos und Krieg die Muße der Oberklasse: Sport und Gelage, Männergespräche, Umgang mit schönen Knaben und Hetären.
Auf den Außenseiten dieser Schalen ist etwas Besonderes dargestellt: der Schulalltag athenischer Knaben aus gutem Hause. Unser Wort >Schule< kommt vom Griechischen >schole< - >Muße<, >freie Zeit<; tatsächlich hatte nur der reiche Freie die Muße zur Bildung. Die Knaben hier lernen gewiss fürs Leben, aber nicht für einen Brotberuf (wie ihn ihre bezahlten Lehrer ausüben), sondern um als Erwachsene die Muße standesgemäß betreiben zu können. So führt das spezielle Thema wieder zum allgemeinen Tenor der Vasenbilder zurück: dem schönen Leben der feinen Leute.
Jeder Schüler hat einen Lehrer, jeder Lehrer lehrt eine andere Disziplin; das Bild vereinigt, was in Wirklichkeit in verschiedenen Räumen stattfand. Die eine Schalenseite beginnt links mit dem Unterricht im Leierspiel, Lehrer und Schüler spielen unisono. Es folgt ein besonders würdiger Lehrer im bequemen Lehnstuhl; für den Betrachter des Bildes hat er die Buchrolle mit dem Anfang des Heldenlieds aufgeschlagen, das der zuchtvoll im Mantel dastehende Schüler auswendig vorzutragen hat. Rechts ein merkwürdiger Zuschauer, halb zugehörig, halb ausgeschlossen. Er sitzt unedel lässig mit überkreuzten Beinen da: Wir müssen in ihm den ‚Pädagogen’ (‚Knabenführer’) sehen, den Dienstboten, der den vornehmen Jungen zur Schule und wieder nach Hause begleitet. - Auf der Gegenseite spielt links ein junger Lehrer mit der Doppelflöte die Melodie, zu der der Schulknabe singt. Der vierte Lehrer korrigiert auf der Schreibtafel eine Arbeit seines Schülers. Die Szene endet wieder mit einem ‚Pädagogen’.
An der Wand hängen beziehungsreich Gegenstände: als Schulutensilien Buchrolle und Schreibtafel, doppelsinnig Leiern und Flöte (im Futteral), Trinkschalen und Picknick-Korb: Denn was die Knaben hier lernen - Musik, Gesang und Gedichtvortrag - das wollen sie erwachsen als hohe Kunst der Muße, sich und ändern zur Freude, beim Trinkgelage nutzen: wo man aus Schalen wie der unseren trank.
Das Innenbild der Schale (nicht abgebildet) zeigt einen jungen Mann, der nach dem nackt ausgeübten Sport sich die Sandalen bindet. Sein Bild gibt die notwendige Ergänzung: der Freie soll gleichermaßen seines Körpers wie seines Geistes mächtig sein.

Die Antikensammlung. Altes Museum, Pergamonmuseum 3. Aufl. (2007) S. 97 Nr. 51 (B. Kaeser).


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