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Attische Trinkschale
  • Attische Trinkschale
  • Kylix (Gefäßform / Schale)
  • Sosias-Maler, Maler
    Sosias, signiert, Töpfer
  • Ende 6. Jh.v.Chr./ Anfang 5. Jh.v.Chr.
    Genauer: um 500 v.Chr.
  • Fundort: Campo Scala (Italien / Vulci)
  • Ton, rotfigurig
  • Höhe: 10 cm
    Durchmesser: 32 cm
  • Ident.Nr. F 2278
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Description
Namengebendes Werk des Sosias-Malers, vom Töpfer Sosias signiert
Innenbild: Achilleus verbindet Patroklos
Außenseiten A,B: Einführung des Herakles in den Olymp

Die kunstvolle und detailreiche Zeichnung auf der Innenseite der attischen Trinkschale zeigt eine selten dargestellte Episode aus dem Trojanischen Krieg, denn die beiden Personen sind durch Inschriften benannt: Achilleus versorgt seinen Freund Patroklos, den ein Pfeil am linken Arm verwundet hat. Dieser wendet seinen Kopf mit schmerzverzerrter Miene ab, während ihm sein als jünger charakterisierter Freund den Verband anlegt. Achill ist mit Helm und Panzer gerüstet. Umso mehr fällt die Schutzlosigkeit des Patroklos auf. Er trägt nur die Kappe, die normalerweise den Helm abpolstern soll. Die Schulterklappen seines Panzers sind geöffnet, und die Sitzhaltung auf seinem Schild, die den Blick auf sein Geschlecht freigibt, versinnbildlicht seine Verwundbarkeit an der empfindlichsten Stelle, an der er später auch tatsächlich von Hektor tödlich getroffen werden wird. Somit weist die Szene mit dieser eigentlich harmlosen Verwundung auf den Tod des Patroklos voraus und schließlich auch auf das Ende von Achilleus selbst, der trotz einer warnenden Weissagung in den Kampf eingreifen wird, um den Tod des Freundes zu rächen. Der gerade noch erkennbare Teil des Schildzeichens, der große Ringhenkel von einem Dreifußkessel, und der links stehende Pfeil unterstützen diese Deutung. Denn der Dreifuß als Zeichen für den delphischen Orakelgott Apoll erinnert nicht nur an die schreckliche Vorhersage, sondern verweist auch auf die Beteiligung dieses Gottes, der den tödlichen Pfeil des trojanischen Prinzen Paris auf Achilleus lenken wird. So sollte auch den größten Helden vor Troja ein früher Tod ereilen.
Dem tragischen Schicksal der beiden Krieger ist auf der Außenseite der Schale die Welt der Götter im Olymp gegenübergestellt: Um das Herrscherpaar Zeus und Hera versammelte Gottheiten sind mit einer Opferhandlung beschäftigt. Zum Zeichen ihrer Göttlichkeit gießen sie aus reichverzierten Schalen Weinspenden auf den Boden. In diese geschlossene Gesellschaft – die Sitzenden nehmen von den Ankommenden keine Notiz – wird Herakles von seinen Halbgeschwistern Hermes, Apollon und Athena eingeführt. Als Belohnung nach mühevollem Leben und qualvollem Sterben wird er als Sohn des Zeus unter die Götter aufgenommen (s. Nr. 13).
Der tragische Tod von Achill und Patroklos wird also mit der Vergöttlichung des Herakles nach dessen Tod verbunden. Gibt es eine passendere Kombination von Bildern für eine Grabbeigabe? So verwundert es nicht, dass die Schale im etruskischen Vulci in einem Grab gefunden wurde. Hergestellt wurde sie jedoch in Athen, und Sosias, ihr Töpfer, hat sie voller Stolz auf dem Fuß signiert. Den antiken Namen des genialen Schalenmalers, der hier mit ihm zusammenarbeitete, kennen wir dagegen nicht. Er erhielt deshalb nach diesem Berliner Stück in der Forschung den Hilfsnamen „Sosias-Maler“.

Von Göttern und Menschen - Bilder auf griechischen Vasen (2010) Nr. 18 (A. Schwarzmaier).


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