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Deckelbüchse aus dem Welfenschatz
  • Deckelbüchse aus dem Welfenschatz
  • Pyxis
  • 14. Jahrhundert (?)
  • Entstehungsort stilistisch: Deutschland
    Historischer Standort: Braunschweig, St. Blasius
  • Ahornholz
  • Höhe x Durchmesser: 7,5 x 10,9 cm
  • Ident.Nr. W 39
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Karen Bartsch
Description
Das Unterteil und der passgenau gearbeitete Deckel der gedrechselten Büchse bilden zusammengesetzt eine sehr geschlossen wirkende, annähernd zylindrische Grundform. Die Kontur des Behältnisses wird zur Standfläche sowie zur Oberseite hin jeweils durch dünne Profilstäbe und schmale Fasen elegant verbreitert. Deckel und Wandung sind außen durch rhythmisch angeordnete Drechselrillen gegliedert. Die sorgfältig bearbeitete Oberfläche ist holzsichtig, Spuren einer früheren farbigen Fassung sind nicht vorhanden.
Das Werk selbst gibt keinen Aufschluss darüber, ob es für eine profane oder kirchliche Nutzung angefertigt wurde. Im sakralen Zusammenhang dienten hölzerne Deckelbüchsen häufig zur Aufbewahrung von unkonsekrierten Hostien; auch ihre Verwendung als Behältnis für Reliquien ist belegt. Die in der Ahornpyxis aus dem Welfenschatz enthaltenen Reliquien, darunter auffallend zahlreiche der 11.000 Jungfrauen, befanden sich 1482 allerdings noch in einem anderen Reliquiar des Kirchenschatzes von St. Blasius in Braunschweig, einem heute verschollenen, mit Vögeln bemalten Elfenbeinkasten.
Ähnliche spätmittelalterliche Deckelbüchsen, meist jedoch farbig gefasst, sind in verschiedenen Kirchenschätzen erhalten, so im Dionysiusschatz aus Herford (Berlin, Kunstgewerbemuseum, Inv. Nr. 1888,653), im Schatz von St. Servatius in Quedlinburg, im Halberstädter Domschatz und aus dem Clarissenkloster in Ribnitz (Schwerin, Staatliches Museum). Ebenfalls ungefasst und sowohl in den Proportionen wie in der ornamentalen Anordnung der Drechselrillen dem Exemplar aus dem Welfenschatz besonders eng verwandt ist eine Reliquien-Pyxis im Staatlichen Museum Schwerin (Inv. Nr. MK 47). Diese stammt aus der Mensa des Hochaltars im Dom zu Güstrow und ist durch das Siegel der darin enthaltenen Weiheurkunde in die Zeit um 1335 datiert. Mit Blick auf dieses Vergleichsbeispiel wird hier die Entstehung der Deckelbüchse aus dem Welfenschatz ebenfalls im 14. Jahrhundert vermutet. LL


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