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Büstenreliquiar des hl. Blasius aus dem Welfenschatz
  • Büstenreliquiar des hl. Blasius aus dem Welfenschatz
  • Reliquiar
  • 2. Viertel 14. Jahrhundert
  • Entstehungsort stilistisch: Braunschweig (?)
    Historischer Standort: Braunschweig, St. Blasius
  • Silberblech, vergoldet, Filigran, Steinbesatz, Perlen, Grubenschmelz auf Silber; Eichenholzkern
  • Objektmaß: 51,5 x 30,8 x 19 cm
  • Ident.Nr. W 30
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Karen Bartsch
Description
Multimedia
Das Büstenreliquiar des Hauptpatrons des Braunschweiger »Doms«, der Kirche des ehemaligen Burgstiftes, birgt unterhalb der über ein Scharnier nach hinten klappbaren Mitra eine große Reliquie vom Haupt des hl. Blasius sowie einen Armknochen und den Teil einer Rippe des Heiligen. Weitere Reliquien anderer Heiliger wurden in dem jetzt leeren, durch eine Türöffnung im Rücken der Figur zugänglichen Depositorium verwahrt. Auf diesen umfangreichen Reliquieninhalt verweist die unter dem runden Bergkristall in der Mitte des Palliums sichtbare Beschriftung: In hoc sci. Blasii ep. et martiris capite continentur reliquie multe.
Mitra und Pallium als Insignien des bischöflichen Amtes des hl. Blasius, der als Bischof von Sebaste in Kappadokien während der Christenverfolgung im 4. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten haben soll, sind durch Filigranranken mit Blättern und Blüten sowie durch Steinbesatz reich geschmückt. Augäpfel und Lippen sind auf das getriebene Silberblech aufgemalt, wodurch der Gesichtsausdruck des Heiligen eine spürbare Individualisierung erfährt und beim Betrachter den Eindruck gütiger Zuwendung hervorruft. Diese Emotionalisierung des Ausdrucks ist ein Indikator für die relativ fortgeschrittene Position der Blasiusbüste in der Entwicklungsreihe der Büstenreliquiare von einer Sonderform der „redenden“ Reliquiare hin zu plastischen Bildwerken „mit Reliquiarfunktion“.
Das kleine Medaillon mit einem Fabelwesen in Silbergrubenschmelz am Halsausschnitt der Kasel ist sicher erst nachträglich angebracht worden, es entstand vermutlich im frühen 14. Jahrhundert in Frankreich. LL


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