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  • Oberteil eines Tongefäßes
  • Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939), Sammler
  • Policromo Medio (800 - 1350)
  • Costa Rica
    Guanacaste (Provinz)
    Santa Cruz (Kanton)
    Santa Bárbara (Ort)
  • Ton
  • Objektmaß: 15,4 x 15,4 x 18,1 cm
    Öffnung: 8,9 cm
    Mündung: 10,1 cm
    Wandstärke: 0,6 cm
  • Ident.Nr. IV Ca 47572
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Amerika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Description
Fragment eines ovaloiden Kruges mit fließendem Halsansatz. Das Objekt besaß wahrscheinlich einen Standfuß. Der Gefäßhals wird durch ein hochständiges, avimorphes Kopfprotomen verziert. Die Keramik ist beidseitig geglättet, geschlämmt und grundiert. Ihre Außenseite wurde polychrom bemalt und poliert. Grundierung und Bemalung sind partiell erodiert. Das restaurierte Objekt besitzt mehrere Bruch- und Fehlstellen. Gefäßkörper und Standfuß sind vollständig fragmentiert.

Das Fragment besitzt eine weiß-rötliche Grundfarbe, die auf der Außenseite des Gefäßes rot, orange und schwarz-braun bemalt ist. Unterhalb des Randes befindet sich ein umlaufender Fries, der aus ineinander verschränkten Stufenelementen besteht. Darunter erscheinen mehrere hochständige, rote und orange Bänder, die das Gefäß umlaufen. Das Dekor wird durch ein hohles, avimorphes Kopfprotomen unterbrochen. Das dargestellte Wesen trägt eine rote Augenmaske und besitzt einen leicht geöffneten Schnabel. Hals und Halsansatz werden durch eine horizontale, zoomorphe Gestalt verziert, die einen echsenförmigen Körper besitzt. Sie hat zwei Vorderbeine und reißt ihr rot gepunktetes Maul weit auf. Das bimorphe Wesen erscheint gleichzeitig in Draufsicht und im Seitenprofil. Auf der Innenseite der Keramik sind unregelmäßige Spuren einer weiß-rötlichen Grundierung sichtbar. Auf der Lippe und am Rand verläuft ein rotes Band. Nach Lothrop 1926: Nicoya polychrome ware, monkey pattern, type B. Nach Bonilla et al. 1987: serpiente-mono.

Kulturelle Bedeutung: der Typ Papagayo Policromo steht in der Region Gran Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß. Er manifestiert sich unter anderem in der Verdrängung von Echsen- und Fledermausthemen durch Raubkatzen- und Schlangendarstellungen. Die Variante ist sowohl aus Bestattungen als auch aus Siedlungskontexten bekannt. Sie wurde vor allem in Guanacaste dokumentiert und tritt seit der zweiten Hälfte des Policromo Medio (1350-800d.C.) auf.
(Künne 2004)


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